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Chorverband Kurpfalz Heidelberg zog in Heiligkreuzsteinach positive Bilanz - allen Unkenrufen zum Trotz erfährt der Chorgesang eine Blüte wie nie zuvor

von Reinhold Stegmeier, März 2017

Jahreshauptversammlungen sind für fast alle Vereine oftmals ein notwendiges Übel. Wenn die Mitglieder nämlich eine ellenlange Tagesordnung zu Gesicht bekommen, denkt sich so mancher: „Halt stopp, das will ich mir nicht antun. Da bleibe ich lieber zu Hause!“ Ganz anders aber, wenn der Chorverband Kurpfalz Heidelberg seine 128 Mitgliedsvereine mit deren 220 Chören und derzeit exakt 6284 kleinen und großen Sängerinnen sowie Sängern zu seinem alljährlichen Verbandstag, dieses Mal in der Steinbachhalle in Heiligkreuzsteinach, einlädt. Zugegeben, der Delegiertenbesuch hätte etwas besser ausfallen können. Aber: Diejenigen, welche vergangenen Sonntagmorgen den Weg in die idyllisch gelegene Odenwaldgemeinde gesucht haben, durften neben einer atemberaubenden wald- und gebirgsreichen Landschaft in der von fleißigen Händen bereits liebevoll frühlingshaft geschmückten Steinbachhalle einige frohe Stunden unter lauter Gleichgesinnten erleben. Als dann noch der gastgebende Männergesangverein 1860 Heiligkreuzsteinach unter der Leitung seines Vizedirigenten Jan Sonnberger die wunderschöne volkstümliche Weise „Handwerkers Abendgebet“ mit Axel Haarmann als brillanten Solisten anstimmte, wollte der herzliche Beifall schier kein Ende mehr nehmen. Obwohl heute Frauen das Bestehen der einst männlichen Gesangvereine bestimmen, war es für die Zuhörer nach langer Zeit wieder mal ein wahrer Ohrenschmaus, den fast 50 prächtigen Männerstimmen, welche die Steinbachhalle bis in ihre letzten Ecken ausfüllten, zu lauschen. Aus den anschließenden Grußworten des gastgebenden Vereinsvorsitzenden Rolf Pfahl und Heiligkreuzsteinachs junger, sympathischer Bürgermeisterin Sieglinde Pfahl schälte sich für die aufmerksam lauschenden Zuhörer eines heraus: In der idyllisch gelegenen Odenwaldgemeinde ist nicht nur das Vereins-, sondern auch das gesamte Dorfleben noch in bester Ordnung. Bürgermeisterin Sieglinde Pfahl darf sich ihrer singenden und klingenden Gemeinde mehr als glücklich schätzen. Obwohl der Bundestagswahlkampf mancherorts schon rasante Fahrt aufgenommen hat, ließen sich die Kandidaten aller Parteischattierungen entschuldigen. Lediglich der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Albrecht Schütte hatte den Weg zur Chorverbandsversammlung in die Steinbachhalle gefunden und brach dort zur Freude der Delegierten ebenfalls eine Lanze für den Chorgesang. Seit fast einem Jahr wird der Chorverband Kurpfalz Heidelberg von Ulrich Engelhardt geleitet. Ihm blieb es zu Beginn der Verbandsversammlung vorbehalten, sich bei dem vollendeten Gastgeber MGV 1860 Heiligkreuzsteinach für den wunderschönen Auftakt zu bedanken. Sein Stellvertreter Manfred Menges nahm sich in wohltemperierten Worten des Gedenkens der im Berichtsjahr verstorbenen Mitglieder, darunter auch der Chorverbandsehrenmitglieder Willi Maier und Hans-Adam Ziegler, vor, wobei der Männerchor die Totenehrung mit der zu Herzen gehenden Weise „O wie herbe ist das Scheiden“ feierlich untermalte Erster Höhepunkt des Chorverbandstages 2017 bildeten die Ehrungen langjähriger Vorstandsfunktionären(innen) der 128 Mitgliedsvereinen. Die Verdienste der Geehrten um die Sängersache hier im Einzelnen aufzuführen würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Hier deren Namen: Roswitha Gutfleisch, Renate Kilian, Carmen Haaf, Eckart Sprenger, Richard Scheurich, Markus Sonnberger, Volker Bähr und Rainer Kilian. Sie alle wurden von Manfred Menges und Ulrich Engelhardt mit Worten des Dankes und einem ausgesuchten Präsent bedacht. Verbandschorleiter Dr. Armin Fink durfte dann noch eine besondere Ehrung, nämlich die des Chordirektors Frank Ewald, vornehmen. Dieser ist nicht nur langjähriger Dirigent beim MGV 1860 Heiligkreuzsteinach, sondern darf heuer auch auf eine 25-jährige Tätigkeit als Chorleiter zurück blicken. Für diese tolle Leistung gab es eine prächtig gestaltete Ehrenurkunde. Leider war Frank Ewald beim Chorverbandstag erkrankt. Jedoch wird ihm der MGV-Vorsitzende Rolf Pfahl diese Urkunde nachreichen. Ulrich Engelhardts erster Jahresbericht war spannend und umfangreich. Erfreuliche Nachrichten waren die, dass der Stand der 128 Mitgliedsvereine mit 220 Chören und 6284 kleinen und großen Sängerinnen sowie Sängern konstant geblieben ist. Weniger erfreulich zu hören war die Tatsache, dass für etliche Mitgliedsvereine das Totenglöckchen bereits geläutet hat oder in absehbarer Zeit noch läuten wird. Engelhardts Appell an die Delegierten im Saal: „Wir dürfen uns also auf unseren Lorbeeren nicht ausruhen! Was uns fehlt, ist vor allem der Nachwuchs an Sängerinnen und Sängern mittleren Alters. Auch in dieser Altersgruppe sind die Frauen sehr viel aktiver!“ Und in der Tat schießen Frauenchöre wie Pilze aus dem Boden. Alsdann gab der Chorverbandsvorsitzende wertvolle Tipps, wie man junge Menschen für den Gesang begeistern kann. Dass dies durchaus möglich ist, zeigen die vielen Castings in der Fernsehlandschaft. Der Chorverband selbst hat von einer Werbeagentur eine neue Homepage gestalten lassen, mit der man unter anderem auch Menschen jeden Alters für den Gesang begeistern will. Dass dies durchaus möglich ist, demonstrierte der persönlich anwesende Chef der beauftragten Werbeagentur den Delegierten anhand vieler Beispiele sowohl optisch als auch akustisch. Aus dem weiteren Tätigkeitsbericht des Chorverbandsvorsitzenden kristallisierte sich heraus, dass man im abgelaufenen Geschäftsjahr für die 128 Mitgliedsvereine und deren 220 Chören in Sachen Aus -, Fort - und Weiterbildung sehr viel geboten habe und 2017 noch unternehmen werde. Des Weiteren streifte Ulrich Engelhardt auch den guten Kontakt mit der Stadt Heidelberg. So werde der Chorverband Kurpfalz Heidelberg bei etlichen Aktionen der Stadt und ihres Kulturamtes aktiv mitwirken. Mit einem Dankeschön an seine Vorstandskollegen für deren aktive Mitarbeit im abgelaufenen Berichtsjahr schloss der Vorsitzende seine interessanten Ausführungen. Wie jedes Jahr für die Delegierten überaus herzerfrischend war der Bericht von Verbandschorleiter Dr. Armin Fink. Manchmal humorvoll, dann wieder nachdenklich und euphorisch legte Armin Fink seine Finger in etliche offene Wunden der augenblicklichen Sangesszene. Sehr aktuell auch seine Frage an die Versammlung, ob die gesangliche Kulturszene überhaupt noch erwünscht sei. Ein klares JA war seine Antwort. Den anwesenden Vereinsvertretern gab er unter anderem wertvolle Hilfestellungen wie „Das Angebot in den Chören muss stimmen.“ „Umdenken in den Vereinsstrukturen ist dringend notwendig“ oder „Jeder Verein muss sein passendes Modell finden“ mit auf den späteren Nachhauseweg. Verbandsschatzmeister Uwe Gärtner gab den Delegierten einen ausführlichen Einblick in die Kassengeschäfte des Chorverbandes. Wenngleich die neue Homepage des Verbandes einen Riesenbatzen verschlungen habe, sei die Kassenlage dennoch sehr zufriedenstellend. Dies sahen auch die Delegierten so und entlasteten später auf Vorschlag von Rolf Pfahl sowohl den Verbandsschatzmeister als auch die übrige Vorstandschaft. Den Chorverbandstag am 11. März 2018 wird der Liederkranz Reichartshausen ausrichten. Mit dem gemeinsam gesungenen „Heidelberger Sängerspruch“ aus der Feder von Erich Harbarth erfuhr der Chorverbandstag 2017 in der Steinbachhalle zu Heiligkreuzsteinach einen harmonischen Abschluss.

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